Mittwoch, 4. März 2015

Trennungsgedanken

Ich glaube, ich betrüge ihn. 

Den Kinderwunsch. 

Mit dem Leben. 

Ich hab ihn einfach satt. Er hat immer nur gefordert und gefordert, nie gegeben. Alles habe ich für ihn getan, vieles geändert, vieles aufgegeben. Fast mich selbst verloren. 

Im Sommer haben wir gesagt, lass uns mal eine Pause machen. Eine Auszeit - um wieder denken zu können. Das machen doch viele, oder? Ok, in den meisten Fällen, die ich kenne, ist das der Anfang vom Ende. Und vielleicht auch für uns. Vielleicht bin ich schon mitten drin, im Trennungsprozess?

Er kann mir nicht versprechen, dass er sich ändert. 

Ich kann mich ihm nicht mehr so unterordnen. Nicht auf Dauer. 

Ich bin wie die Frau, die in einer langen, unglücklichen Beziehung war, den Mut findet sich zu trennen, wieder ausgeht und die ganze Nacht tanzt. Tanzt und sich endlich wieder lebendig fühlt. 

Es ist nicht so, dass ich kein Kind mehr will. Im Gegenteil. Nichts würde mich mehr freuen. Aber ich merke, ich kann es nicht um jeden Preis. Wenn ich mich selbst aufgeben muss, um dies zu erreichen, dann kann ich den Preis nicht bezahlen. Das wäre auch dem Kind gegenüber nicht fair.  5 Jahre Kinderwunsch haben ihre Spuren, ihre Narben hinterlassen. Viele. Manche verheilt, manche nicht. Manche werden wohl ewig schmerzen. 

Eine Chance hat er noch. Das bin ich ihm und vor allem dem Mann an meiner Seite schuldig. Diese letzte Chance wird es geben. Ich glaube an zweite Chancen, auch an dritte. Doch wenn meine Geduld am Ende ist, dann ist Schicht im Schacht. 

Eine sehr kluge Frau hat mir mal gesagt, diese letzte ICSI, die soll ich feiern, zelebrieren und richtig auf die K*cke hauen. Und das habe ich vor. Ich weiß zwar noch nicht, wie das gehen soll, aber es ist ja noch ein bisschen Zeit bis dahin. Jeden Tag Champus bis zum Transfer? Mal sehen ;-P

 Wie heißt es doch so schön: it ain't over 'til it's over ...

 

Kommentare:

  1. Du wählst immer so wunderschöne Worte. Und es stimmt: it ain't over 'til it's over! Du bestimmst, wann du damit abschließt, wann es dein letzter Versuch sein wird!

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  2. Wenigstens das können wir Kinderwünschlerinnen ganz allein entscheiden, beeinflussen und planen!

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  3. Das ist ein sehr kraftvolles Posting ! Ein Ja zum Leben. So oder so. :-)
    @Lisa: ich fürchte, es ist in der Realität oft eher so: als KiWü könntest du es entscheiden....aber in dieser Entscheidung ist man nie ganz frei.....denn fast überall wird einem ja Machbarkeit suggeriert. In den Zentren. Die Frauen untereinander......Und das Ziel "Kind" muss doch jeder Frau jeden Preis wert sein.....so tönt es mal offen, mal zwischen den Zeilen.....
    Das hat eine Sogwirkung für die es schon Kraft braucht, sich gegen den Strom zu entscheiden.....und für das Leben.
    xoxo,
    Isa

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    1. Ja, was die KIWU-Kliniken uns in ihren Hochglanzprospekten suggerieren ist eigentlich eine bodenlose Unverschämtheit: alles ist machbar - und das ist es in der Realität eben nicht.
      Aber, wenn man für sich noch nicht ganz abgeschlossen hat, dann wird einem diese Frage sicherlich ein ganzes Leben lang im Kopf herumspuken: "wäre das ein erfolgreicher Versuch gewesen?".
      Wenn man sich vorab aber intensiv damit auseinandergesetzt hat, dass nun wirklich der letzte Versuch folgt. Dann kann man auch bei einem eventuell negativen Ausgang ggf. besser seinen Frieden mit dem Thema finden. So vermute ich es zumindest ...

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    2. ja - sehe ich genauso :-)
      zur schlusspunkt-methode wird sogar aus psychologischer sicht geraten......um nicht in einen strudel zu geraten, aus dem man sich immer schwieriger lösen kann. sich einen rahmen zu stecken, über alternativen nachzudenken. schon frühzeitig.
      lg

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    3. Ja, wobei ich sagen muss: am Anfang wäre ich für den "Leben-ohne-Kind-Gedanken" wahrscheinlich weniger offen gewesen als jetzt. Man durchläuft einfach einen Prozess und mein Bedürfnis danach, endlich "meinen Frieden" zu finden, wird immer größer als das "es MUSS" - die Erkenntnis, dass eben nicht "alles machbar ist", wie einem immer suggeriert wird, kann nur durch eigene, schmerzhafte Erfahrungen kommen.

      Vielen Dank für eure Denkanstösse!

      LG
      ZweiLinien

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  4. 5 Jahre scheint eine magische Grenze zu sein...Ich kann deine Trennungsgedanken jedenfalls gut verstehen. Er wird sich nie ändern...er bekommt vermutlich nur noch mehr Macken.
    Ich drück dich :*

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    1. Komisch, oder? Lass das mal auf der Zunge zergehen: Füüüüünnnfff Jaaaaahre... ohne Erfolg. Ja, er ändert sich wahrscheinlich nicht und terrorisiert so viele von uns...

      Ich drück dich,
      ZweiLinien

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  5. Ich habe in den letzten 9 Jahren auch immer wieder mal diese Gedanken gehabt. Ich verstehe dich gut. Vorallem nach dem der Ganze Kinderwunschstress noch ein Burnout mit Borderline-Störung und Suizidgedanken ausgelöst hatte, war ich einfach nur noch sauer. Immer alles gegeben und doch jedesmal eine Ohrfeige erhalten.
    Im letzten Jahr wurde mir bewusst, dass die Vorstellung, ohne Kinder durchs Leben zu gehen für mich schlimmer ist, wie nochmals ICSI auf mich zu nehmen. Ich sagte mir, diesmal ziehe ich es durch, bis zum Erfolg.
    Lass es auf dich zu kommen, wenn du momentan nicht magst, dich behandeln zu lassen, dann ists ok. Und wenn du dich in ein paar Jahren umentscheidest, ist das auch ok. Doch mach nichts, hinter dem du nicht stehen kannst.
    Ich drück dich.
    Lila

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    1. Liebe Lila,

      ufff, das ist eine harte Geschichte, die du deine eigene nennst.

      Für mich geht es jedoch nicht mehr darum, dass ich momentan keine Behandlung mehr will - denn wir machen ja schon seit letztem Sommer eine Pause.

      Es geht darum, eine Entscheidung zu treffen, wann wir den aktiven Kinderwunsch verlassen oder ob wir noch ein paar Jahre mit "angezogener Handbremse" leben wollen und können und mit dieser Entscheidung unseren Frieden zu machen.

      Ich bin selbst für mein Lebensglück verantwortlich und möchte diese Verantwortung nicht einem Kind "auferlegen".

      Es gibt ein wunderschönes Zitat von Khalil Gibran, das gut ausdrückt, was ich meine:



      Deine Kinder
      sind nicht deine Kinder,
      sie sind die Söhne und Töchter
      der Sehnsucht des Lebens
      nach sich selbst.

      Sie kommen durch dich,
      aber nicht von dir und
      obwohl sie bei dir sind,
      gehören sie dir nicht, du
      kannst ihnen deine Liebe
      geben, aber nicht deine
      Gedanken, denn sie haben
      ihre eigenen Gedanken, du
      kannst ihrem Körper ein
      Heim geben, aber nicht
      ihrer Seele, denn ihre
      Seele wohnt im Haus von
      Morgen, das du nicht
      besuchen kannst, nicht
      einmal in deinen Träumen.
      Du kannst versuchen, ihnen
      gleich zu sein, aber suche
      nicht, sie dir gleich zu
      machen, denn das Leben
      geht nicht rückwärts und
      verweilt nicht beim
      Gestern.

      Du bist der
      Bogen, von dem deine
      Kinder als lebende Pfeile
      ausgeschickt werden. Lass
      deine Bogenrundung in der
      Hand des Schützen Freude
      bedeuten.

      Alles Gute für dich.

      LG
      ZweiLinien


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