Montag, 29. September 2014

Weekend im Wonderland




Neulich war ich auf Kurzurlaub im Wonderland – schon lange geplant, aber damals hätte ich nicht gedacht, wie „richtig“ genau dieser Zeitpunkt war, an dem ich durchs Loch gepurzelt bin. Schon die Lektüre auf dem kurzen Flug zwischen Heimat und Wonderland wäre die Reise wert gewesen – „Maike Winnemuth : Das große Los – wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr“. Wenn ihr das Buch irgendwo liegen seht, leiht es, kauft es, lasst es euch schenken – wie auch immer, aber lest es! Ich war erst skeptisch (trotz Empfehlung) aber es ist phantastisch. Es geht ums Reisen, ja. Aber es geht auch darum, wie die Autorin auf dieser Reise neue Erkenntnisse, Einsichten gewinnt über sich und über das Leben, über das was man vom Leben will und über das, was man meint zu brauchen und das, was man wirklich braucht. Oder auch nicht. Viele gute Denkanstösse. Auch für die Kinderwunschreise. This too will pass. Ahhh, ich schweife ab. Lesen, sag ich!


Also purzelte ich ins Wonderland. Dort ticken die Uhren anders. Ein Lebensentwurf ohne Kind, aber mit jeder Menge Lebenssinn und vor allem Lebensqualität. Entspannt, geordnet, mit Strukturen und gleichzeitig Raum für Spontanität. Ich habe viele, neue Dinge gelernt. Ich habe eine Bekanntschaft vertieft und daraus ist eine Bindung entstanden, die in vielen Gemeinsamkeiten wurzelt, die wir beide nicht vermutet hätten. Es ist spannend, jemanden, den man schon meint zu kennen, nochmal ganz neu kennen zu lernen, mit all seinen vielfältigen Facetten, überrascht zu werden und dabei manchmal in einen Spiegel zu schauen und zu sagen: Ach, schau mal an…



Wer jetzt denkt, in diesem Wonderland pfeift ein kalter Wind, dass es dort öde, karg und leer ist ohne Kind, den muss ich enttäuschen. Dort ist die Luft klar und angenehm und dort herrscht eine Akzeptanz, die warm und heimelig ist. Die Bewohnerin dieses Wonderlands hat vor einer Weile mal zu mir gesagt:“Ich trauere um deine ungeborenen Kinder.“ So hat das selten jemand zu mir gesagt, hat die verlorenen Chancen erkannt, die ich ebenso betrauere. Dass jemand dies so klar und mitfühlend, aber nicht mitleidig ausspricht; jemand der die ganz objektiv von außen betrachtet, wo der Kern der Trauer beheimatet ist - das bewegt. 



Es waren nicht viele Worte nötig darüber, wie es ist, den einen oder anderen Weg zu gehen. Beim Besuch im Wonderland war klar, ich bin nur auf Besuch – aber es war genauso klar: ja, auch dies ist ein guter Ort zum Leben.



Was mir aufgefallen ist – und darauf habe ich gerade keine Antwort: ich registriere Schwangere, Kinderwagen, Kleinkinder etc. momentan auf eine ganz neue, ungewohnte Art und Weise. Hat mir früher der Anblick einer Schwangeren auf der Straße einen Stich versetzt, zu ganz schlimmen Zeiten ein Gefühl des Babyneids ausgelöst, so herrscht jetzt ein gewisser Gleichmut, wenn nicht sogar Gleichgültigkeit. Bin ich früher beim Anblick eines ultraniedlichen Babies oder Kleinkinds in Freudentaumel und Entzücken geraten, so finde ich es zwar immer noch niedlich, aber es – sagen wir mal – berührt mein Herz nicht mehr so wie früher. Ist das vielleicht eine Art Schutzmechanismus, frage ich mich? Bin ich emontional auf Abstand gegangen,  weil ich es momentan nicht mehr ertrage, immer nur „Zuschauer“ sein zu müssen? Oder liegt es daran, dass der Fokus nicht mehr "ausschließlich" darauf liegt?

Weekend im Wonderland




Neulich war ich auf Kurzurlaub im Wonderland – schon lange geplant, aber damals hätte ich nicht gedacht, wie „richtig“ genau dieser Zeitpunkt war, an dem ich durchs Loch gepurzelt bin. Schon die Lektüre auf dem kurzen Flug zwischen Heimat und Wonderland wäre die Reise wert gewesen – „Maike Winnemuth : Das große Los – wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr“. Wenn ihr das Buch irgendwo liegen seht, leiht es, kauft es, lasst es euch schenken – wie auch immer, aber lest es! Ich war erst skeptisch (trotz Empfehlung) aber es ist phantastisch. Es geht ums Reisen, ja. Aber es geht auch darum, wie die Autorin auf dieser Reise neue Erkenntnisse, Einsichten gewinnt über sich und über das Leben, über das was man vom Leben will und über das, was man meint zu brauchen und das, was man wirklich braucht. Oder auch nicht. Viele gute Denkanstösse. Auch für die Kinderwunschreise. This too will pass. Ahhh, ich schweife ab. Lesen, sag ich!


Also purzelte ich ins Wonderland. Dort ticken die Uhren anders. Ein Lebensentwurf ohne Kind, aber mit jeder Menge Lebenssinn und vor allem Lebensqualität. Entspannt, geordnet, mit Strukturen und gleichzeitig Raum für Spontanität. Ich habe viele, neue Dinge gelernt. Ich habe eine Bekanntschaft vertieft und daraus ist eine Bindung entstanden, die in vielen Gemeinsamkeiten wurzelt, die wir beide nicht vermutet hätten. Es ist spannend, jemanden, den man schon meint zu kennen, nochmal ganz neu kennen zu lernen, mit all seinen vielfältigen Facetten, überrascht zu werden und dabei manchmal in einen Spiegel zu schauen und zu sagen: Ach, schau mal an…



Wer jetzt denkt, in diesem Wonderland pfeift ein kalter Wind, dass es dort öde, karg und leer ist ohne Kind, den muss ich enttäuschen. Dort ist die Luft klar und angenehm und dort herrscht eine Akzeptanz, die warm und heimelig ist. Die Bewohnerin dieses Wonderlands hat vor einer Weile mal zu mir gesagt:“Ich trauere um deine ungeborenen Kinder.“ So hat das selten jemand zu mir gesagt, hat die verlorenen Chancen erkannt, die ich ebenso betrauere. Dass jemand dies so klar und mitfühlend, aber nicht mitleidig ausspricht; jemand der die ganz objektiv von außen betrachtet, wo der Kern der Trauer beheimatet ist - das bewegt. 



Es waren nicht viele Worte nötig darüber, wie es ist, den einen oder anderen Weg zu gehen. Beim Besuch im Wonderland war klar, ich bin nur auf Besuch – aber es war genauso klar: ja, auch dies ist ein guter Ort zum Leben.



Was mir aufgefallen ist – und darauf habe ich gerade keine Antwort: ich registriere Schwangere, Kinderwagen, Kleinkinder etc. momentan auf eine ganz neue, ungewohnte Art und Weise. Hat mir früher der Anblick einer Schwangeren auf der Straße einen Stich versetzt, zu ganz schlimmen Zeiten ein Gefühl des Babyneids ausgelöst, so herrscht jetzt ein gewisser Gleichmut, wenn nicht sogar Gleichgültigkeit. Bin ich früher beim Anblick eines ultraniedlichen Babies oder Kleinkinds in Freudentaumel und Entzücken geraten, so finde ich es zwar immer noch niedlich, aber es – sagen wir mal – berührt mein Herz nicht mehr so wie früher. Ist das vielleicht eine Art Schutzmechanismus, frage ich mich? Bin ich emontional auf Abstand gegangen,  weil ich es momentan nicht mehr ertrage, immer nur „Zuschauer“ sein zu müssen? Oder liegt es daran, dass der Fokus nicht mehr "ausschließlich" darauf liegt?

Donnerstag, 11. September 2014

Ich bin, wie ich bin.

Es gibt Ereignisse im Leben eines jeden Menschen, die ihn für immer prägen. Prägen und verändern. Manche mögen dich auf den ersten Blick nicht direkt betreffen. Andere erschüttern dein Leben bis auf die Grundfesten. 


Der 11.September 2001 - heute vor 13 Jahren. Damals war ich Mitte 20, hatte beruflich endlich meinen Weg gefunden und privat war das Leben unbeschwert und frei. 4 Wochen zuvor war ich aus den USA zurückgekommen, hatte eine wunderbare Zeit. Was wäre gewesen, wenn dieses Ereignis nur 4 oder 5 Wochen zuvor passiert wäre??? Ich habe niemanden, den ich persönlich kannte an diesem Tag verloren - aber ich hatte Sorge um meine Freunde dort. Damals ist mir sehr bewusst geworden, wie kurz das Leben sein kann und das man dass, was man zu sagen hat, sagen sollte, bevor man es nicht mehr sagen kann. Damals habe ich dem jungen Mann, den ich ganz toll fand und für den ich mehr empfand als nur Freundschaft gesagt, wie ich empfinde - auch wenn definitiv klar war, dass es keine Chance auf eine Beziehung gibt. Ich wollte einfach, dass dieses Gefühl nicht ungesagt, unbekannt bleibt, dass er weiß, dass es jemanden gibt, dem er auf diese Weise etwas bedeutet. Ich habe es nie bereut, diesen Mut aufgebracht zu haben und zu meinen Gefühlen zu stehen. 

Das Leben ist sooo kurz - traut euch, zu tun, was euch am Herzen liegt!




März bis Juli 2006. Mit Abstand eine der schwersten Zeiten in meinem Leben. Nur 4 Monate, die mich verändert haben. Mein Leben lässt sich teilen in die Zeit VORHER und NACHHER. Und es gibt kein Zurück an den Punkt zu VORHER. 

In diesen 4 Monaten haben wir praktisch in dauerhafter Verdrängung gelebt - Verdrängung vor dem Unausweichlichen: dem Tod, dem Verlust eines geliebten Menschen. Und obwohl eigentlich allen - nicht persönlich Betroffenen, sozusagen den "Profis" - klar war, dass es nur diesen einen Weg aus der Situation gibt, hat uns niemand darauf vorbereitet. Im Gegenteil, uns wurde Mut zugesprochen, Hoffnung gemacht und ab einem gewissen Zeitpunkt eben nicht mehr auf Heilung, aber uns wurde Zeit versprochen. An jeden noch so wahnwitzigen Strohhalm, der uns gereicht wurde, klammerten wir uns - die Augen verschlossen vor der unausweichlichen Realität. Zuzusehen und nichts tun zu können, absolute Hilflosigkeit. Hart. Brutal. Daher waren wir völlig unvorbereitet, die Realität schlug mit voller Wucht über uns zusammen wie ein Tsunami. 

Im Rückblick wäre es vielleicht besser gewesen, hätte man uns - behutsam - darauf vorbereitet. Ich schätze Ehrlichkeit und ich schätze Wahrheit - auch wenn sie manchmal weh tut. Verdrängung ist nicht mein Ding. Tut mir einfach nicht gut.

Diese Realität tat sehr weh. Es hat lange, sehr lange gedauert und sehr viel Kraft gekostet, diesen Verlust zu verarbeiten. Heute noch gibt es Tage, an denen es sehr schwer ist. Trotzdem hat es mich stärker werden lassen - es hat mir geholfen, den Verlust meines Flohs zu verkraften. Ich bin nicht mehr die, die ich vorher war. Aber ich bin, wie ich bin. Geprägt durch diese Ereignisse. 

Auch der Kinderwunsch hat mich bis hierher geprägt und verändert. Meine Entscheidungen und deren Konsequenzen. Die Menschen, die mir begegnet sind. Das Wissen, dass ich gewonnen habe. Den Austausch und die damit verbundenen Ansichten.

Dass mein letzter Post so viele unterschiedliche Reaktionen ausgelöst hat, finde ich gut. Ein Gedankenaustausch, der mich dazu angeregt hat, den heutigen Post zu verfassen, der sehr viel von mir preisgibt. Ich lasse euch ganz tief in mein Innerstes blicken und wünsche mir, dass dies dazu beiträgt, zu verstehen, wie ich "ticke". 

Das Schönste wäre, wenn ihr mich nicht da abholt, wo ihr mich haben wollt, sondern dort, wo ich gerade bin. Wie ich bin. 

Ich lass es auf den Versuch ankommen.






Ich bin, wie ich bin.

Es gibt Ereignisse im Leben eines jeden Menschen, die ihn für immer prägen. Prägen und verändern. Manche mögen dich auf den ersten Blick nicht direkt betreffen. Andere erschüttern dein Leben bis auf die Grundfesten. 


Der 11.September 2001 - heute vor 13 Jahren. Damals war ich Mitte 20, hatte beruflich endlich meinen Weg gefunden und privat war das Leben unbeschwert und frei. 4 Wochen zuvor war ich aus den USA zurückgekommen, hatte eine wunderbare Zeit. Was wäre gewesen, wenn dieses Ereignis nur 4 oder 5 Wochen zuvor passiert wäre??? Ich habe niemanden, den ich persönlich kannte an diesem Tag verloren - aber ich hatte Sorge um meine Freunde dort. Damals ist mir sehr bewusst geworden, wie kurz das Leben sein kann und das man dass, was man zu sagen hat, sagen sollte, bevor man es nicht mehr sagen kann. Damals habe ich dem jungen Mann, den ich ganz toll fand und für den ich mehr empfand als nur Freundschaft gesagt, wie ich empfinde - auch wenn definitiv klar war, dass es keine Chance auf eine Beziehung gibt. Ich wollte einfach, dass dieses Gefühl nicht ungesagt, unbekannt bleibt, dass er weiß, dass es jemanden gibt, dem er auf diese Weise etwas bedeutet. Ich habe es nie bereut, diesen Mut aufgebracht zu haben und zu meinen Gefühlen zu stehen. 

Das Leben ist sooo kurz - traut euch, zu tun, was euch am Herzen liegt!




März bis Juli 2006. Mit Abstand eine der schwersten Zeiten in meinem Leben. Nur 4 Monate, die mich verändert haben. Mein Leben lässt sich teilen in die Zeit VORHER und NACHHER. Und es gibt kein Zurück an den Punkt zu VORHER. 

In diesen 4 Monaten haben wir praktisch in dauerhafter Verdrängung gelebt - Verdrängung vor dem Unausweichlichen: dem Tod, dem Verlust eines geliebten Menschen. Und obwohl eigentlich allen - nicht persönlich Betroffenen, sozusagen den "Profis" - klar war, dass es nur diesen einen Weg aus der Situation gibt, hat uns niemand darauf vorbereitet. Im Gegenteil, uns wurde Mut zugesprochen, Hoffnung gemacht und ab einem gewissen Zeitpunkt eben nicht mehr auf Heilung, aber uns wurde Zeit versprochen. An jeden noch so wahnwitzigen Strohhalm, der uns gereicht wurde, klammerten wir uns - die Augen verschlossen vor der unausweichlichen Realität. Zuzusehen und nichts tun zu können, absolute Hilflosigkeit. Hart. Brutal. Daher waren wir völlig unvorbereitet, die Realität schlug mit voller Wucht über uns zusammen wie ein Tsunami. 

Im Rückblick wäre es vielleicht besser gewesen, hätte man uns - behutsam - darauf vorbereitet. Ich schätze Ehrlichkeit und ich schätze Wahrheit - auch wenn sie manchmal weh tut. Verdrängung ist nicht mein Ding. Tut mir einfach nicht gut.

Diese Realität tat sehr weh. Es hat lange, sehr lange gedauert und sehr viel Kraft gekostet, diesen Verlust zu verarbeiten. Heute noch gibt es Tage, an denen es sehr schwer ist. Trotzdem hat es mich stärker werden lassen - es hat mir geholfen, den Verlust meines Flohs zu verkraften. Ich bin nicht mehr die, die ich vorher war. Aber ich bin, wie ich bin. Geprägt durch diese Ereignisse. 

Auch der Kinderwunsch hat mich bis hierher geprägt und verändert. Meine Entscheidungen und deren Konsequenzen. Die Menschen, die mir begegnet sind. Das Wissen, dass ich gewonnen habe. Den Austausch und die damit verbundenen Ansichten.

Dass mein letzter Post so viele unterschiedliche Reaktionen ausgelöst hat, finde ich gut. Ein Gedankenaustausch, der mich dazu angeregt hat, den heutigen Post zu verfassen, der sehr viel von mir preisgibt. Ich lasse euch ganz tief in mein Innerstes blicken und wünsche mir, dass dies dazu beiträgt, zu verstehen, wie ich "ticke". 

Das Schönste wäre, wenn ihr mich nicht da abholt, wo ihr mich haben wollt, sondern dort, wo ich gerade bin. Wie ich bin. 

Ich lass es auf den Versuch ankommen.






Donnerstag, 4. September 2014

Tja, wie isses?

Hurra, ich lebe noch!

Je weiter ich mich aus dem Kinderwunschbehandlungszirkus wegbewege, desto ferner scheint mir dieser ganze Wahnsinn aus Folli-TV, Gebärmutterschleimhautbeschaffenheit, Blutabnahmen, Spritzerei und Warteschleifen. Wenn ich daran denke, ist es wie die nervige Wiederholung einer Seifenoper. Als wäre das alles gar nicht mir passiert, sondern eben den wilden Phantasien der Drehbuchautoren entsprungen. Man gerät wohl unbeabsichtigt in den vorgefertigten Strudel der Kinderwunschtherapie, wo ganz logisch eine Stufe auf die nächste folgt. GVnP und kein Erfolg? Bitte hier entlang zur IUI. Wieder kein Erfolg? Bitte hier entlang zur IVF? Reicht auch das nicht? Hier gehts zur ICSI. Weitere Diagnostik? Hier bitte entlang, zu Gerinnungspezialisten, TCM, Immunologie oder Humangenetik. Ein Negativ? Nächste Stufe erklimmen. Es bliebt wenig Zeit für Pausen, weil einem das Alter, die Mittel, der eigene Wunsch immer im Nacken sitzen und einen unerbittlich antreiben: "Du kommst nur voran, wenn du weiter machst. Weiter, immer weiter!" Wie ein Derwisch, immer im Kreis drehen, immer drehen, nicht stehen bleiben. 

Je länger ich pausiere, desto mehr spüre ich, dass ich wieder zurück finde zum Leben. Ich habe mich wirklich sehr vereinnahmen lassen in den letzten 12 Monaten. 12 Monate meines Lebens und die Momente, an die ich mich erinnere, sind PUs, Spritzerei, Arztbesuche und Niederlagen. 

Die Genehmigung der Krankenkasse für ICSI Nr. 3 lag einige Zeit auf dem Schreibtisch rum und dass ich ihn letztlich abgeschickt habe, liegt nur daran, dass wir den Überweisungsschein vom Herzensmann noch nachreichen mussten. Ich setze mich damit auseinander, dass es für uns vielleicht bei den zwei Linien im letzten Jahr bleibt. Das der Herzenswunsch nicht erfüllt wird.

Doch diese Gedanken will niemand hören, dafür gibt es kein Verständnis, keine Akzeptanz, keine Hilfestellung. Dann kriegt man nur zu hören: "Aber bei Schantalle hat es auch erst im 12. Versuch geklappt, du musst hoffen und durchhalten." Ja, schönen Dank auch. Es wird für uns keine 12 Versuche geben, diese Gewissheit wird immer stärker. Wir werden vielleicht übrig bleiben, mein Bauch bleibt leer. 

Laufe ich davon? Ist das schon Akzeptanz oder noch Verdrängung? Es wimmelt im Leben meiner Freunde von Kindern, Babies, von Schwangerschaftsmeldungen und mir wird immer bewusster, dass dies ein Bereich sein könnte, aus dem ich ausgeschlossen werde: "Sorry, du kommst hier net rein!" Kein Zutritt für Kinderlose. Der Türsteher kontrolliert knallhart vor diesem Club. 

Tja, so isses.



Tja, wie isses?

Hurra, ich lebe noch!

Je weiter ich mich aus dem Kinderwunschbehandlungszirkus wegbewege, desto ferner scheint mir dieser ganze Wahnsinn aus Folli-TV, Gebärmutterschleimhautbeschaffenheit, Blutabnahmen, Spritzerei und Warteschleifen. Wenn ich daran denke, ist es wie die nervige Wiederholung einer Seifenoper. Als wäre das alles gar nicht mir passiert, sondern eben den wilden Phantasien der Drehbuchautoren entsprungen. Man gerät wohl unbeabsichtigt in den vorgefertigten Strudel der Kinderwunschtherapie, wo ganz logisch eine Stufe auf die nächste folgt. GVnP und kein Erfolg? Bitte hier entlang zur IUI. Wieder kein Erfolg? Bitte hier entlang zur IVF? Reicht auch das nicht? Hier gehts zur ICSI. Weitere Diagnostik? Hier bitte entlang, zu Gerinnungspezialisten, TCM, Immunologie oder Humangenetik. Ein Negativ? Nächste Stufe erklimmen. Es bliebt wenig Zeit für Pausen, weil einem das Alter, die Mittel, der eigene Wunsch immer im Nacken sitzen und einen unerbittlich antreiben: "Du kommst nur voran, wenn du weiter machst. Weiter, immer weiter!" Wie ein Derwisch, immer im Kreis drehen, immer drehen, nicht stehen bleiben. 

Je länger ich pausiere, desto mehr spüre ich, dass ich wieder zurück finde zum Leben. Ich habe mich wirklich sehr vereinnahmen lassen in den letzten 12 Monaten. 12 Monate meines Lebens und die Momente, an die ich mich erinnere, sind PUs, Spritzerei, Arztbesuche und Niederlagen. 

Die Genehmigung der Krankenkasse für ICSI Nr. 3 lag einige Zeit auf dem Schreibtisch rum und dass ich ihn letztlich abgeschickt habe, liegt nur daran, dass wir den Überweisungsschein vom Herzensmann noch nachreichen mussten. Ich setze mich damit auseinander, dass es für uns vielleicht bei den zwei Linien im letzten Jahr bleibt. Das der Herzenswunsch nicht erfüllt wird.

Doch diese Gedanken will niemand hören, dafür gibt es kein Verständnis, keine Akzeptanz, keine Hilfestellung. Dann kriegt man nur zu hören: "Aber bei Schantalle hat es auch erst im 12. Versuch geklappt, du musst hoffen und durchhalten." Ja, schönen Dank auch. Es wird für uns keine 12 Versuche geben, diese Gewissheit wird immer stärker. Wir werden vielleicht übrig bleiben, mein Bauch bleibt leer. 

Laufe ich davon? Ist das schon Akzeptanz oder noch Verdrängung? Es wimmelt im Leben meiner Freunde von Kindern, Babies, von Schwangerschaftsmeldungen und mir wird immer bewusster, dass dies ein Bereich sein könnte, aus dem ich ausgeschlossen werde: "Sorry, du kommst hier net rein!" Kein Zutritt für Kinderlose. Der Türsteher kontrolliert knallhart vor diesem Club. 

Tja, so isses.