Donnerstag, 27. März 2014

Ich packe meinen Koffer und nehme mit...

... meine Zahnbürste. Ich packe meinen Koffer und nehme mit: meine Zahnbürste und ein Paar Wanderschuhe. 

 Ich packe meinen Koffer und nehme mit: meine Zahnbürste, ein Paar Wanderschuhe und meine Kameraausrüstung. 

 Ich packe meinen Koffer und nehme mit: meine Zahnbürste, ein Paar Wanderschuhe, meine Kameraausrüstung und einen Reiseführer über Schottland. 

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: meine Zahnbürste, ein Paar Wanderschuhe, meine Kameraausrüstung, einen Reiseführer über Schottland und Hanni's Kumpel Kenny*. 

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: meine Zahnbürste, ein Paar Wanderschuhe, meine Kameraausrüstung, einen Reiseführer über Schottland, Hanni's Kumpel Kenny und eine Packung Estrifampflaster, weil der Kryozyklus gestern begonnen hat. 

 Ich packe meinen Koffer und nehme mit: meine Zahnbürste, ein Paar Wanderschuhe, meine Kameraausrüstung, einen Reiseführer über Schottland, Hanni's Kumpel Kenny und eine Packung Estrifampflaster, weil der Kryozyklus gestern begonnen hat und meine Kryo-Zyklus-Chinakräuter. 

Am Montag gehts entspannt in den Urlaub und wenn wir wieder da sind, gehts direkt in die Kiwu zum Ultraschall und dann werden die letzten beiden Eisbärchen aus der ersten ICSI zurückgeholt. Das bedeutet - wenn alles gut geht - und davon gehe ich jetzt mal aus, werde ich über Ostern meine Schätze bei mir haben. 

*http://www.kennyontour.de

Sonntag, 16. März 2014

Was will ich eigentlich?

Ich weiß es nicht. Also, was ich gerade wirklich will. Ich hadere. Ich zweifle. An meinen Motiven. An meiner Motivation. An meinem Durchhaltevermögen. 

Die Krankenkasse hat die Gerinnungsdiagnostik abgelehnt. Weil es keine Voruntersuchung ist und nicht im direkten Zusammenhang mit der künstlichen Befruchtung steht. Mich stört die Ablehnung, weil ich nicht "gewonnen" habe, obwohl ich mich an die Regeln gehalten habe. Aber ich habe im Moment keine Lust auf noch mehr Ärzte und Kämpfe an dieser Front.

Am Dienstag habe ich einen Termin in der Kiwu, denn im nächsten Zyklus werden wir die letzten zwei Eisbärchen zurückholen. Jedenfalls ist das mein Plan.

Eigentlich wollte ich einen Zyklus mit Eisprung, doch das erfordert ein sehr gutes Timing und da ich die Embryos direkt nach dem Urlaub und noch vor Ostern zurück holen will, läuft es wohl wieder auf einen Zyklus mit unterdrücktem Eisprung hinaus. 

Wobei das eigentlich total bescheuert ist, weil ich in diesem Zyklus von ganz allein mal wieder keinen Eisprung hatte. Oder einen sehr späten. Oder nur einen versuchten Eisprung. Und etwas zu unterdrücken, was sowieso nicht passiert, ist doch eigentlich total schwachsinnig. 

Der Heil-und-Kostenplan für die Lösung für meinen gezogenen Zahn ist da und die Zahl, die da unten steht, ist doppelt so hoch wie die Kosten für meine ICSI. 

All das nervt mich unwahrscheinlich. Ich würde am liebsten den AUS-Knopf drücken. Kein Kinderwunsch mehr. Kein Herzschmerz, wenn ich Babies sehe oder halte. Im Moment scheint mir ein Leben ohne Kinderwunsch total entspannt: ich würde in den Urlaub fahren, ohne mir Östrogenpflaster überall hinkleben zu müssen, ich würde mir eine neue berufliche Perspektive suchen, ich würde keinen Terminkalender führen müssen, der im Grunde nur die vielen Arzttermine koordiniert, wir würden umziehen, ein Haus kaufen, es gestalten, renovieren und einen Garten haben, eine zweite Katze kaufen und vielleicht zwei Kaninchen und ein paar Hühner. 

Wir würden ein ganz normales Leben haben.

Ein ganz normales Leben. Das will ich eigentlich. 

Aber gelandet bin ich in einem Kinderwunschleben.

Montag, 3. März 2014

Freunde - es gibt solche und solche

Jetzt ist es vorbei. Das Wochenende, auf das ich mich seit Wochen gefreut habe und vor dem ich seit genauso vielen Wochen auch Angst hatte. Ein Wochenende im Freundeskreis, das erste Mal mit mit 3 Kindern im Alter zwischen 1 und 3 Jahren und ausgerechnet jetzt - in meiner imaginären 40.SSW, imaginär deshalb, weil das Baby, dass morgen hätte geboren werden sollen, schon vor Monaten zu den Sternen gegangen ist. Und immer noch keine Schwangerschaft in Sicht, nicht mal der nächste Versuch ist fix terminiert. Das hätte es vielleicht einfacher gemacht. Aber vielleicht auch nicht.

Und wie war es jetzt? Schwer. Selten leicht. Manchmal wirklich entspannt. Traurig. Schön. Fröhlich. Lustig.

Was hat mir so viel Angst gemacht? Nicht die beiden Kinder, die ich schon kannte. Auch nicht das Kind, dass ich noch nicht kannte. Am meisten Angst hatte ich davor, dass ich es nicht schaffe, mich zu beherrschen. Dass ich beim Anblick dieses süßen, kleinen 14-Monate alten Menschenkindes in Tränen ausbreche und zwar vor versammelter Mannschaft, von der nur eine Handvoll Menschen wusste, welches Minenfeld da vor mir lag. Angst davor, dass jemand sagt "steht dir gut, so ein Baby, warum habt ihr noch keins?" oder "macht euch doch selber eins"... oder oder oder. Glücklicherweise kam nichts in der Richtung.

Glücklicherweise konnte ich mich Freitag mit Essensvorbereitungen und Kochen ablenken, doch das gemeinsame Abendessen zog sich für mich wie Kaugummi. Also wieder Flucht in die Küche. Und irgendwann dann endlich Bettzeit für die Kleinen.

Das Frühstück am nächsten Morgen war für mich noch schlimmer als das Abendessen. Einerseits war der Kleine so süß, dass ich den Blick nicht abwenden konnte. Andererseits immer dieses "eigentlich wären erst wir an der Reihe gewesen", nein, kein Babyneid. Aber das nicht-begreifen-warum tat unendlich weh. Flucht in die Küche. Dort herrschte nach einer Weile ein geschäftiges Gewusel und eh ich mich versah hatte ich mit den Worten: "jetzt gehst du mal zur Tante auf den Arm" dieses wunderbare Baby im Arm. Noch jetzt kommen mir die Tränen, wenn ich dran denke. Ich habe nicht geweint als ich ihn hielt. Es war schön. Wieder mal war das Kopfkino viel schlimmer gewesen als die Realität. Und es war genau der richtige Moment. Ich hätte mich nicht getraut, darum zu bitten, die Angst war zu groß.

Ab da war es ein bisschen leichter. Jedenfalls für den Rest dieses Tages. Vielleicht auch, weil wir ein geteiltes Tagesprogramm hatten und so Auszeiten möglich waren.

Es ist merkwürdig, dass ich einerseits immer hingezogen war und mich andererseits nicht hingetraut habe. Zumindest nicht für länger als eine Weile.

Gestern abend dann habe ich meiner Freundin eine Nachricht geschrieben. Weil ich sie wissen lassen wollte, wie sehr sie mir geholfen hatte an diesem Wochenende. Vielleicht ohne es zu wissen. Ich habe mich bei ihr bedankt für ihre Geduld mit mir. Denn diese Freundschaft stand schon einmal sehr auf der Kippe, weil ich mich so sehr zurück gezogen habe in den letzten Wochen ihrer Schwangerschaft. Es hat uns damals beide sehr geschmerzt und wir haben uns versprochen, dass wir es niemals wieder so weit kommen lassen.

Kaum war die Nachricht abgeschickt, bekam ich einen Anruf. Wir haben geredet, lange. Und sie hat mir erzählt, dass sie gemerkt hat, dass sie mir angesehen und gespürt hat, wie schwer es für mich war. Und dass sie nicht wusste, ob es ok ist, mir ihr Kind einfach in den Arm zu drücken. Doch sie hat es gewagt und es war gut. Ich habe ihr gesagt, warum es im Moment so schwer ist für mich und sie hat mich verstanden und gesagt, wie sehr es ihr selbst weh tut, mich so zu sehen. Und dann kamen die Tränen, die das ganze Wochenende geweint werden wollten und nicht durften.  

In der letzten Zeit habe ich viele Blogbeiträge gelesen über Freundschaften. Ob es sich lohnt, darum zu kämpfen, wenn der Kinderwunsch sie auf eine solche Probe stellt. Ich habe im letzten Jahr gelernt, dass es Menschen gibt, die man einfach gehen lassen muss, damit es einem besser geht. 

Aber auf manche Menschen kann man nicht verzichten. Wenn einem die Freundschaft wirklich am Herzen liegt, muss man darum kämpfen. Am Ende lohnt es sich. 

Denn es gibt solche Freunde und solche.