Mittwoch, 24. Dezember 2014

Im Hafen der Kinderwünschler - Teil 2

Es ist ganz warm hier, in meiner Kajüte - warm und muckelig und von irgendwo her scheint ein goldenes Licht durchs Fenster und taucht alles in wunderschöne Farben. Was gestern karg und künstlich schien, ist heute freundlich und schön. Es riecht nach Bratapfel, Keksen, Zimt und Tanne und im Hintergrund läuft leise Musik.

Im kalten, regnerischen Wintergrau habt ihr bei mir Kerzen angezündet mit euren Worten, die wunderschön waren wie Umarmungen. 

Darum lade ich euch ein, euer Kinderwunsch-Ich, kommt auf meinen Kutter, es ist genug Platz da für alle. Wir trinken heißen Punsch und Kakao mit Zimt, essen Plätzchen, Mandarinen und Nüsse, kuscheln uns gemütlich in die flauschigen Kissen und gucken "Drei Nüsse für Aschenbrödel". 

Und heute Nacht, wenn es ganz dunkel ist, dann ziehen wir uns Jacke, Schal und Mütze an und halten gemeinsam Ausschau nach dem Stern. 

Vielleicht wurde uns unser Wunsch in diesem Jahr auch wieder nicht erfüllt, doch wir sind nicht allein mit diesem Gefühl, auch - und gerade - nicht an Weihnachten. 

Ich wünsche euch allen ein schönes Weihnachtsfest!



Dienstag, 23. Dezember 2014

Im Hafen der Kinderwünschler

Mein Kutter liegt vor Anker in meinem Hafen der Kinderwünschler. Er hat schon bessere Zeiten gesehen, hier und da blättert die Lackierung ab, hier eine Delle, dort ein Stück Holz abgesplittert. An einer Stelle ist ein großer Schaden geflickt worden. Er dümpelt vor sich hin an der Kaimauer, schaukelt auf den Wellen, die sich an der Mauer brechen. Früher, ja, da war hier was los. Da lagen viele Schiffe vor Anker, die Namen am Bug konnte ich im Schlaf aufzählen, mehr als ein Dutzend waren es. Wimpelchen wehten, wir sprangen von Boot zu Boot, brauchten dazu nicht mal an Land zu gehen, so voll war der Hafen. Wenn ein Schiff den Hafen verließ, warteten alle voller Spannung, ob es wohl den Zielhafen erreichen würde. Manches Schiff kam zurück, ein bisschen ramponiert vom Sturm, konnte den Zielhafen nicht erreichen und wurde in diesem Hafen wieder seefest für die nächste Tour gemacht. 

Wenn ich mich hier jetzt umschaue, hat sich der Hafen geleert. Dort, an der Außenmauer liegt die "Jan*schi", manchmal winken die Kapitänin von dort und ich uns zu, traurig für die andere, die auch hier noch ankert. 

Ganz in der Nähe liegt das Boot "Drahteselchen" vor Anker, manchmal gehe ich dorthin auf einen frischen Minztee und dann ist es lustig und schön, und manchmal garnicht mehr so schlimm, dass wir beide hier noch ankern. 

Vom Bug meines Schiffes schaue ich auf die "Franken-Stern", dort führt eine mutige und starke Frau das Ruder. Die "Franken-Stern" gehört zur Seenotrettung und oft fährt die Kapitänin mit ihrem kleinen Speedboot aus, um in Seenot geratene Schiffe abzuschleppen. So manches Mal bringt sie sie in den eigentlichen Zielhafen, die Schiffbrüchigen nimmt sie mit und pflegt sie gesund. Ich bin so manches Mal sehr froh, dass es die Seenotrettung gibt. 

Manchmal, wenn es nicht mehr geht, dann gehe ich an Land. Dort gibt es eine Art Seemannskneipe, so eine richtige Spelunke, das "Kaninchenloch" - dort ist immer was los. Zwei Wirtinnen sorgen schon dafür, richtige "alte Seebärinnen", die viel erlebt und viel zu erzählen haben, und nicht nur Seemannsgarn. Von außen mag das "Kaninchenloch" den ein oder anderen abschrecken, vielleicht liegt es am Namen, dass sich so wenige hineintrauen - doch wer einmal dort war, der kommt gern wieder. Dort wuselt es von flauschigen Vierbeinern, es gibt Musik und Tanz, manchmal werden dort hochpolitische Reden geschwungen, manches Mal findet man sich urplötzlich in einem tiefsinnigen Gespräch über Gott und die Welt. Es gibt Nahrung für die Seele und meist einen guten Trunk. Wenn mir gloomy zu Mute ist, dann ist das der beste Ort der Welt. 

Oft denke ich an die, die hier auch mal geankert haben und aufgebrochen sind zu neuen Ufern. Manche schreiben eine Karte und erzählen, wie schön der neue Ankerplatz ist, wie aufregend die Reise war und wie lohnenswert. Ich würde ja gern folgen, aber ich weiß nicht, welche die Route ist, die mich dorthin führt und ob ich mein Schiff wieder hochseetauglich bekomme. Zu oft musste ich schon umkehren, weil das Schiff streikte.

So verbringe ich auch dieses Weihnachtsfest auf meinem Kutter, über die kaputten Stellen habe ich ein wenig Deko gehängt, damit es während der Festtage ein bisschen hübscher aussieht - ich habe festgestellt, dass die Menschen gerade zu dieser Zeit keine ramponierten Boote sehen wollen. Mein Weihnachtswunsch in diesem Jahr? Den Weihnachtsstern sehen und Frieden für die Welt. 






Freitag, 5. Dezember 2014

Die, die wandern

Erinnert ihr euch noch an die Playlist? Ich finde, es ist Zeit für Runde 2. Vielleicht fällt euch noch der ein oder andere Songtext ein, der fehlt? Oder ihr habt neue Songs gefunden, die unbedingt in die Kinderwunsch-Playlist müssen? Ich mache mal den Anfang mit einem weiteren Rainhard - diesmal mit ai und aus Österreich. Wer nicht mehr weiß, was dahinter steckt, schaut mal in der Playlist oder Playlist Vol.1 


Die, die wandern (Rainhard Fendrich)

Der Lebensweg wird oft sehr schmal
Fiaht di durch manches tiafe Tal
Wo man den Himmel nimmer sicht
Kannst nimma vire, nimma z'ruck
Um die herum nur Lug und Trug
Am End vom Tunnel brennt ka Licht

Hast di verirrt und gehst kraftlos in die Knia
Doch auf amoe, da heast a Stimm in Dir:

Kumm, reiß di zam, steh wieder auf
Bleib ja net liegen, genau da warten's drauf
Gib da an Ruck und setz an Fuaß vorn andern
Nur die, die wandern finden wieder z'ruck


Mit Glück geht alles federleicht
Bis es von Deiner Seiten weicht
Auf amoe bist da ärmste Hund
A Liebe geht, a Freundschaft bricht
Nicht ana der bei Dir sei mecht
In ana wirklich dunklen Stund

All's was di wichtig war
Zertrümmert und in Scherb'n
Kann Mut zum Leben, kann Mut zum Sterb'n

Kumm, reiß di zam, steh wieder auf
Bleib ja net liegen, genau da warten's drauf
Gib da an Ruck und setz an Fuaß vorn andern
Nur die, die wandern finden wieder z'ruck

Kumm, reiß di zam, steh wieder auf
Bleib ja net liegen, genau da warten's drauf
Gib da an Ruck und setz an Fuaß vorn andern
Nur die, die wandern finden wieder z'ruck
 
 
 
 

Samstag, 22. November 2014

Seid gut zu euch

Heute gehen wir mal gut zwanzig Jahre zurück: Ich erinnere mich noch ganz genau, an das erste Mal als ich Wimperntusche benutzt habe. Ich war 15 und meine beste Freundin Bine und ich haben uns langsam an diese "Sache" herangetastet. Natürlich nicht in schwarz, das machen ja alle langweiligen Erwachsenen, nein, wir waren ja jung und wild. Also griffen wir zu blau und grün - und zwar heimlich. Denn Bines Eltern waren sehr konservativ und schminken mit 15 war verboten. Ich hatte keine Ahnung, wie meine Eltern das sahen, aber es war so auch viel lustiger, heimlich etwas "verbotenes" zu tun. Wir fühlten uns sehr erwachsen, wenn wir so loszogen. Natürlich versteckten wir auch alle Beweismittel  und sparten uns auch den Make-up Entferner. Wir zogen uns mit den Fingern die Farbe von den Wimpern - jede Frau schlägt wahrscheinlich jetzt die Hände über dem Kopf zusammen. Natürlich ging das nicht so gut wie mit nem Wattepad und nem guten Make-up Entferner, gut für die Wimpern war's auch nicht aber - who cares? Und natürlich wurden wir irgendwann erwischt. Unsere Methode war einfach nicht sicher genug. Bine bekam riesigen Ärger, Stubenarrest für mehrere Wochen und durfte sich erst mit 18 schminken. Meine Mutter zeigte mir, wie man Wimperntusche aufträgt und wie wichtig es ist, sich hinterher wieder richtig abzuschminken. Meine Eltern nahmen diese Geschichte außergewöhnlich locker und amüsierten sich wahrscheinlich heimlich.

Wenn ich heute daran denke, stiehlt sich immer noch ein Grinsen in mein Gesicht. Und warum erzähle ich das jetzt? Ganz einfach: 20 Jahre nach dieser Geschichte habe ich mir gestern einen Wunsch erfüllt. Denn obwohl ich mich immer ein wenig geschminkt habe, beschränkte sich das meist auf eine getönte Tagescreme, Wimperntusche und Kajal. Dabei habe ich meine Kolleginnen immer beneidet, bei denen das viel besser aussah. Ich wollte immer ein natürliches Aussehen, nicht angemalt wirken - aber ich habe auch verstanden, was das "richtige Make-up" für dich tun kann.

Also habe ich mir etwas gegönnt:  einen zweistündigen "Grundkurs schminken" ❤️ - es war toll! Denn ich fühlte mich am Ende der 2 Stunden superhübsch und total gut. Und ich habe einen tatsächlichen Unterschied festgestellt zwischen den Produkten, die ich bisher verwendet habe und denen, die ich gestern ausprobiert habe. 

So bin ich am Ende mit einer Tasche voller Pröbchen, neuen Erfahrungen, einen strahlenden Gesicht und einem Coco Chanel Lippenstift für 30 Euro aus dem Laden gestiefelt. 

Gestern war der Tag, an dem ich beschlossen habe, einfach öfter mal wieder gut zu MIR zu sein und mich nicht mehr als Mittel zu dem EINEN Zweck zu sehen: der Erfüllung des Kinderwunsches. Mir selbst etwas zu gönnen, das nichts mit Medikamenten, Hormonbehandlungen und Babies zu tun hat. Mögen andere ihr Geld für Windeln, Milchpumpen und Stileinlagen raushauen - ich kloppe meins jetzt auf den Kopf für mich. Solange ich es kann. 

Motto für heute: seid gut zu euch, ihr verdient es! 


Mittwoch, 12. November 2014

12 aus 44

Mädels, ihr schafft mich! Echt. 

Schon in der Schule habe ich Kettenbriefe immer ignoriert. Genauso wie ich es jetzt mit diesen Ketten-WA-Nachrichten-sende-diesen-Witz-an-11-Freunde-weiter-oder-dir-fallen-die-Zähne-aus. Und, nein, der Zahn, den es Anfang des Jahres erwischt hat, hat NICHTS damit zu tun. Wirklich nicht. LOL. 

Bei all den Kreativ-und-Kochblogs, die ich früher immer verfolgt habe, fand ich diese der-liebste-schönste-tollste-Stöckchen-Award-Nominiererei ziemlich blöd und habs ignoriert, weil sich ja doch dort immer die gleichen Blogs gegenseitig nominiert haben und ich selten neue Blogs entdeckt habe. 

Außerdem gehts mir bei diesem Blog ja nicht darum, möglichst viele Leser zu gewinnen. Trotzdem bin ich mit meinem Blog Teil dieser Gemeinschaft und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr komme ich zu der Sichtweise, dass ihr mir durch eure Nominierung ja auch eine gewisse Wertschätzung entgegenbringt (wenn dem nicht so ist, bitte korrigiert mich nicht, sondern lasst mir diese Illusion ;-) hach, ich hab wohl heut nen Clown gefrühstückt *grins*)

 Jetzt bin ich allerdings bei 4! Nominierungen - das bedeutet 44 (in Worten VIERUNDVIERZIG) Antworten und das könnt ihr doch nicht wirklich wollen? 

Spätestens bei Frage 15 hörts doch schon auf. Ich gucke zwar gerade The Taste, während ich das hier tippe, aber obwohl diese Sendung echt lang geht, glaube ich nicht, dass ich in der Zeit 44 Antworten produziere. 

Also suche ich mir jetzt einfach von jeder Fragestellerin 3 aus den 11 Fragen aus und so habt ihr am Ende 12 aus 44.



Sandra von Feindbild Unterleib fragte: 

Was wünscht du dir für die Zukunft? 
Gesundheit für mich, meine Familie und alle meine Lieben. Es mag wie eine Phrase klingen, aber Gesundheit - physisch und psychisch, das habe ich in den letzten Jahren erfahren, ist das Wichtigste, was es gibt.

Schönste Kindheitserinnerung? 
Abends im Bett Geschichten und Phantasiespiele ausdenken mit meiner Schwester, wir haben uns ein Zimmer geteilt und auch wenn das nicht immer einfach war, hat es uns eine ganz enge Bindung gegeben. Oft haben wir Ärger bekommen, weil wir einfach so lange gequasselt haben, aber das hat uns beim nächsten Mal natürlich nicht davon abgehalten.


Welche Bücher sind dir wichtig?
Meine Kinderbücher. Ich wünsche mir, dass ich irgendwann mal die Gelegenheit habe, einem Kind diese Bücher weiterzugeben, in der Hoffnung, dass sie nochmal das Tor zur Welt der Bücher öffnen und das vermitteln, was sie mir vermittelt haben. 



Doris von eizellspende.me wollte wissen:

Welches empfehlenswerte Buch hast Du in letzter Zeit gelesen? 
Sandra hat mir vor einer Weile das "Handbuch des Kriegers des Lichts" von Paulo Coehlo empfohlen - mir ist es sehr ans Herz gewachsen und es ist mein Wegbegleiter im Kinderwunsch geworden. 


Was ist Dein Lieblings-/ Kraftplatz? 
Die Nordsee - am liebsten kleine, autofreie Nordseeinseln. Wenn ich dort bin, bin ich frei wie ein Vogel, Sommers wie Winters ist es der Ort, der mir die Kraft zurück gibt. 

Welche Eigenschaften schätzt du an Deinem Partner am Meisten? 
Er lässt mich sein, wie ich bin. Ohne wenn und aber. Ich muss mich nicht verbiegen, nicht meine Macken verstecken, er holt mich runter, wenn ich überdrehe und gibt mir Halt, wenn ich glaube, zu ertrinken. Bei ihm darf ich Schwäche zeigen, ohne dass er das ausnutzt. Er ist mein Anker. 


Und nun zu euch, Isa und Belle - gleich zwei Nominierungen von manchmal-ist-es-nie.blogspot.de: 

Schon mal vorweg: ihr werdet feststellen, dass ich gaaaaanz schlecht bin in oder-Fragen. Wenn ich z.B. die Wahl zwischen zwei Paar Schuhen habe, kann ich mich meist nicht entscheiden und nehme beide. Ich bin für oder einfach nicht geschaffen, ich will ALLES :-)



Isa wollte wissen:

Majonaise oder Ketchup ? 
Weil...ich ein Kind es Ruhrpotts bin: BEIDES! Und Senf auffe Frikadelle, wa? 
Ganz ehrlich, Pommes ohne Mayo geht gar nicht, beim Ketchup bevorzuge ich verschiedene Sorten - je nachdem, was sich da auf dem Teller befindet...
Optimist oder Pessimist ? 
Optimist. Weil ... ich nicht anders kann. Auch wenn ich grad eine kleinen, für mich ungewöhnlich langen Durchhänger habe, ich bin mir sicher, die hoffnungslose Optimistin wird sich irgendwann wieder durchsetzen.


Zahlen oder Buchstaben ? 
Buchstaben - schon immer. Mit Zahlen steh ich auf Kriegsfuss. Buchstaben sind toll, Buchstaben machen Bücher und Worte und ich lese und quatsche halt gern. 



Last, but not least: die Fragen von Belle: 

vegan/vegetarisch oder Omnivore, weil....
ich über 10 Jahre vegetarisch gelebt habe, habe ich auch heute noch eine große Vorliebe für vegetarisches essen. Neuerdings - durch eine Freundin - beschäftigte ich mich auch mehr mit veganem Essen - was ich bisher so hatte, war erstaunlich gut und schmackhaft. Trotzdem, auf ein qualitativ hochwertiges Stück Fleisch mag ich nicht mehr verzichten. 

spülen oder abtrocknen, weil......
ich einen gaaaaanz tollen Mann und eine Spülmaschine habe, stellt sich die Frage selten. Meistens spüle ich, wenn wir viel Geschirr und Besuch haben und dann ist der Besuch immer sehr beeindruckt von meinen haushaltlichen Qualitäten und mein Mann bemüht sich immer sehr zu sagen, dass das "sonst aber gar nicht so ist..." - dafür koch ich aber auch fast jeden Tag.

Rucksacktourismus oder all-inclusive-Pauschal, weil..... 
ich es liebe, ein Land, eine Stadt und die Menschen auf eigene Faust zu entdecken und am-Strand-in-der-Sonne-brutzeln-und-all-you-can-eat-Buffets-von-8-20-Uhr nix für mich sind, plane ich meine Reisen immer selbst. Von A bis Z. 


Wer es bis hier her geschafft hat, Hut ab - und vielen Dank für die Aufmerksamkeit. 

An dieser Stelle müssten normalerweise meine Fragen und meine Nominiertenliste stehen. Aber ich machs jetzt mal anders - habt ihr einen Blog, der euer "Liebster" ist und in der ganzen-im-Kreis-herum-Nominiererei noch nicht genannt wurde? Oder eine coole, interessante, tiefschürfende, spassige Frage, die ihr stellen möchtet? 

Falls ja, hinterlasst hier einen Kommentar mit Link zum Blog /und oder der Frage - natürlich müsst ihr dazu keinen eigenen Blog haben. Vermutlich ist das jetzt nicht regelkonform - aber ganz ehrlich? Das Nutella-Messer soll man auch nicht ablecken...


Motto des Tages: break rules and be happy!

Samstag, 8. November 2014

Buxe voll

Ich hab heut gekniffen.
Hatte keine Traute. 
Schiss.
Sozusagen die Buxe voll. 

Vor ner vollen Buxe, bzw. Windel. 

Vor 20, 25 Jahren - als ich vielleicht gerade anfing, Teenie zu sein - hab ich das mit links gewuppt. Im Schlaf, ohne Berührungsängste. 

Jetzt steh ich da, eine erwachsene Frau, kriege im Job (fast) jedes Problem gelöst und trau mich nicht. 

Baby halten geht, zwar mit totaler Anspannung, das ich hoffentlich alles richtig und nix kaputt mache, aber es geht. 

Selbst mit meinem Patenkind auf der Babyintensivstation bin ich vor 10 Jahren sicherer und entspannter umgegangen, trotz der ständigen Gefahr eines Atemstillstandes oder sonstiger lebensbedrohlicher Situationen. 

Das haben die letzten 5 Jahre mit mir gemacht. Weil Babies für mich 1. nur noch in der Theorie und vor allem nur in der Kiwu stattfinden und 2. mit so vielen Ängsten behaftet sind, dass ich, wenn ich mal auf eins treffe, nicht so locker sein kann wie früher. 

Ich könnte natürlich noch einen neuen Versuch starten dieses Wochenende - aber ich will auch kein Versuchskaninchen für meine Selbsttherapie aus diesem zauberhaften kleinen Mädchen machen. 


Donnerstag, 30. Oktober 2014

... und dann wird dir das ❤️ auf einmal ganz leicht...


Danke für all eure lieben Glückwünsche und guten Wünsche zum Geburtstag!

So viele haben mir ihre Freundschaft und Wertschätzung ausgedrückt und es hat mir viel bedeutet und das Herz wieder ein ganzes Stück leichter gemacht. ❤️ 



Dienstag, 28. Oktober 2014

Kein glanzvolles Jahr

Fast ist es zu Ende, dieses Lebensjahr. An Silvester oder an Geburtstagen ist es ja häufig so, dass man zurückblickt auf das vergangene Jahr - ich tue das jedenfalls meist. Mein 37. Lebensjahr - fast nichts ist so gelaufen, wie ich es mir erhofft, erträumt und gewünscht hatte.

Letztes Jahr um diese Zeit steckte ich total euphorisch und davon überzeugt, dass unser Kinderwunsch sich bald erfüllen würde, in der Stimu zur ersten ICSI. Und während es nun alle meine Lieben um mich herum geschafft haben, schwanger oder sogar schon Mama zu werden, manche auch schon zum zweiten Mal, setze ich mich damit auseinander, das vielleicht wirklich ICH übrig bleibe. 

Das geht an manchen Tagen besser, an manchen schlechter, an manchen gar nicht. 

Vielleicht ist es ganz gut, wenn ich einen Schlussstrich unter dieses Lebensjahr ziehen kann. Nicht alles war schlecht, das wäre ungerecht - aber die guten und die schlechten Tage halten sich nicht die Waage, da herrscht ein deutliches negatives Ungleichgewicht. Das neue Jahr hat alle Chancen, besser zu werden. 

Welcome 37 ❤️ - bye bye 36 





Samstag, 11. Oktober 2014

Danke, Reinhard, für diesen Abend!

Gestern abend, 20:00, irgendwo in Deutschland. Ein dunkler Saal, im Licht eines einzelnen Scheinwerfers eine Gitarre, sonst nichts.

Ein Mann, ganz in schwarz gekleidet, kommt auf die Bühne, Beifall brandet auf, minutenlang. Die ersten Akkorde, das Konzert beginnt...

Nach der Hälfte des ersten Liedes schon kämpfe ich mit den Tränen - nicht weil es ein trauriges Lied ist (die kommen später), sondern weil ich mir diesen Konzertbesuch schon so unendlich lange gewünscht habe. 

Alles im Saal konzentriert sich auf diesen Mann in schwarz, der uns schon so viele Jahre durch seine Lieder in sein Herz, in seine Seele blicken und an seinem Leben teilhaben lässt. 

Er hat uns so viele, wundervolle Liede geschenkt, Lieder mit denen wir bei den Blogschwestern gern neue Babies begrüssen. 

Lieder, bei denen man vor Lachen heult, wie gestern abend. 

Lieder, bei denen man weint, weil es weh tut, wenn man ihn singen hört über den letzten Besuch seines Sohnes Max, dessen Schicksal einen berührt. Wohl, weil man mit ihm aufgewachsen ist, in seinen Liedern. 

Alte Lieder, mit denen Erinnerungen verknüpft sind. 

Alte Lieder, die man schon hundert mal gehört hat, auf CD - und die dir live einen Schauer über den Rücken jagen und dir die Tränen in die Augen treiben. 

Danke, Reinhard, für diesen Abend! Danke für die Musik! 

Dann mach's gut. 

❤️

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Ist das krass - willst du nicht lieber was anderes machen...?

Genau das sagte meine Freundin, nennen wir sie mal Babsi, neulich zu mir. 

"Ist das krass. Willst du nicht lieber was anderes machen? Im Dritte Welt Laden helfen oder so?" 

Was sie so unglaublich schockierte, war mein Plan für ein Leben ohne eigene Kinder. Bisher habe ich nur ihr davon erzählt, die Reaktion hatte ich - von ihr - so nicht erwartet. 

Der Plan lautet: Ehrenamt. Aber nicht irgendwo. Ich möchte mich in einem Kinderhospiz engagieren. 

In der großen Stadt hier gibt es ein Kinderhospiz, auf dessen Internetseite ich mich informiert habe. Das ist kein übereilter Entschluss, sondern eigentlich schlummert er schon ganz lange in mir. Seit der ersten Begegnung mit meinem schwerstbehinderten Patenkind vor bald 11 Jahren und der (unglaublich einfühlsamen) Begleitung im Hospiz beim Tod meines Vaters. 

Wer noch nie in einem Hospiz war, dem kann man nicht erklären, was das für eine besondere Atmosphäre dort ist. 

Das ist er also, der Plan E. Und zumindest im Moment fühlt er sich absolut richtig an. 

Montag, 6. Oktober 2014

Neulich nacht um 4:38 Uhr...

Ich hatte eine Stunde lange vergeblich versucht, wieder in den Schlaf zu finden. Aber obwohl es stockdunkel war, der Göttergatte neben mir mal nicht schnarchte und das Katertier sich zu mir kuschelte, es gelang nicht. Da half nur eines: aufstehen. Ab ins Wohnzimmer, TV an und auf die Suche nach einem möglichst langweiligen, Einlull-Programm begeben. Ich zappte mich also durch die "Dritten" und blieb beim SWR hängen - Frank Elstner mit "Menschen der Woche". Eigentlich keine Sendung für mich. Aber die Frau, die dort sass, war unglaublich symphatisch - so ein ansprechendes, schönes Lächeln ist selten. Irgendwie konnte ich nicht umschalten. Und dann leitete der Moderator zur Geschichte seines Gastes ein und ich wusste, es war kein Zufall, dass ich ausgerechnet zu diesem verrückten Zeitpunkt dort eingeschaltet hatte. 

Barbara Pachl-Eberhardt. 40 Jahre. Aus Österreich. Witwe und verwaiste Mutter. 

An Ostern 2008 hat sie ihren Mann und ihre beiden kleinen Kinder bei einem Autounfall verloren. Die gesamte Kleinfamilie - im Bruchteil einer Sekunde zerstört. 

"Am Unglück zerbrechen kann auch eine Chance sein." 

Barbara Pachl-Eberhardt hat ihr zerbrochenes Leben neu geordnet, sie hat zwei Bücher geschrieben, in denen sie den Verlust ihrer Familie verarbeitet und zeigt, dass Trauer ganz nah am Leben ist. 

Mir wäre es sehr recht gewesen, wenn sich die ganze Sendung mit ihr beschäftigt hätte. Aber auch dieses kurze Interview war sehr bewegend. Wen es interessiert, kann es über die Mediathek des SWR suchen. 

Warum hat mich diese Frau und ihr Schicksal so berührt? Man mag meinen, es hat mit meiner - unserer - Kinderwunschsituation vielleicht nicht viel zu tun. Doch. Da sind Parallelen. Denn wir, die wir uns ein Kind wünschen und jeden Monat wieder und wieder und wieder enttäuscht werden, erleben immer wieder Verluste, kleine Tode. Noch schlimmer sind die Negative nach einem neuen Versuch - so nah dran, doch wieder verloren. 

Trauern wir um die Möglichkeiten? Zerbrechen wir irgendwann? Wenn ja, können wir aus den Bruchstücken etwas Neues, Größes zusammensetzen? Wie wandelt / verwandelt uns dieses ständige Auf und Ab zwischen Trauer und Hoffnung? 

Es ist in jedem Fall faszinierend, wie sehr die Stärke dieser Frau nach außen strahlt. Besonders, wenn man weiß, dass es eben Zeiten gab, in denen nichts gestrahlt hat. In einem Interview mit ihr hat sie etwas gesagt, dass mich sehr beeindruckt hat (ich hoffe, ich krieg es ungefähr hin, ich finde den Text nicht mehr): "wenn man in sich tausende Lichter hat, und alle gehen aus - dann bleibt nur noch eines und das strahlt um so mehr." 

Näheres findet ihr hier: http://www.barbara-pachl-eberhart.at 


Bücher: vier minus drei Wie ich nach dem Verlust meiner Familie zu einem neuen Leben fand Integral, München 2010 

Warum gerade du? Persönliche Antworten auf die großen Fragen der Trauer Integral, München 2014

Montag, 29. September 2014

Weekend im Wonderland




Neulich war ich auf Kurzurlaub im Wonderland – schon lange geplant, aber damals hätte ich nicht gedacht, wie „richtig“ genau dieser Zeitpunkt war, an dem ich durchs Loch gepurzelt bin. Schon die Lektüre auf dem kurzen Flug zwischen Heimat und Wonderland wäre die Reise wert gewesen – „Maike Winnemuth : Das große Los – wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr“. Wenn ihr das Buch irgendwo liegen seht, leiht es, kauft es, lasst es euch schenken – wie auch immer, aber lest es! Ich war erst skeptisch (trotz Empfehlung) aber es ist phantastisch. Es geht ums Reisen, ja. Aber es geht auch darum, wie die Autorin auf dieser Reise neue Erkenntnisse, Einsichten gewinnt über sich und über das Leben, über das was man vom Leben will und über das, was man meint zu brauchen und das, was man wirklich braucht. Oder auch nicht. Viele gute Denkanstösse. Auch für die Kinderwunschreise. This too will pass. Ahhh, ich schweife ab. Lesen, sag ich!


Also purzelte ich ins Wonderland. Dort ticken die Uhren anders. Ein Lebensentwurf ohne Kind, aber mit jeder Menge Lebenssinn und vor allem Lebensqualität. Entspannt, geordnet, mit Strukturen und gleichzeitig Raum für Spontanität. Ich habe viele, neue Dinge gelernt. Ich habe eine Bekanntschaft vertieft und daraus ist eine Bindung entstanden, die in vielen Gemeinsamkeiten wurzelt, die wir beide nicht vermutet hätten. Es ist spannend, jemanden, den man schon meint zu kennen, nochmal ganz neu kennen zu lernen, mit all seinen vielfältigen Facetten, überrascht zu werden und dabei manchmal in einen Spiegel zu schauen und zu sagen: Ach, schau mal an…



Wer jetzt denkt, in diesem Wonderland pfeift ein kalter Wind, dass es dort öde, karg und leer ist ohne Kind, den muss ich enttäuschen. Dort ist die Luft klar und angenehm und dort herrscht eine Akzeptanz, die warm und heimelig ist. Die Bewohnerin dieses Wonderlands hat vor einer Weile mal zu mir gesagt:“Ich trauere um deine ungeborenen Kinder.“ So hat das selten jemand zu mir gesagt, hat die verlorenen Chancen erkannt, die ich ebenso betrauere. Dass jemand dies so klar und mitfühlend, aber nicht mitleidig ausspricht; jemand der die ganz objektiv von außen betrachtet, wo der Kern der Trauer beheimatet ist - das bewegt. 



Es waren nicht viele Worte nötig darüber, wie es ist, den einen oder anderen Weg zu gehen. Beim Besuch im Wonderland war klar, ich bin nur auf Besuch – aber es war genauso klar: ja, auch dies ist ein guter Ort zum Leben.



Was mir aufgefallen ist – und darauf habe ich gerade keine Antwort: ich registriere Schwangere, Kinderwagen, Kleinkinder etc. momentan auf eine ganz neue, ungewohnte Art und Weise. Hat mir früher der Anblick einer Schwangeren auf der Straße einen Stich versetzt, zu ganz schlimmen Zeiten ein Gefühl des Babyneids ausgelöst, so herrscht jetzt ein gewisser Gleichmut, wenn nicht sogar Gleichgültigkeit. Bin ich früher beim Anblick eines ultraniedlichen Babies oder Kleinkinds in Freudentaumel und Entzücken geraten, so finde ich es zwar immer noch niedlich, aber es – sagen wir mal – berührt mein Herz nicht mehr so wie früher. Ist das vielleicht eine Art Schutzmechanismus, frage ich mich? Bin ich emontional auf Abstand gegangen,  weil ich es momentan nicht mehr ertrage, immer nur „Zuschauer“ sein zu müssen? Oder liegt es daran, dass der Fokus nicht mehr "ausschließlich" darauf liegt?

Donnerstag, 11. September 2014

Ich bin, wie ich bin.

Es gibt Ereignisse im Leben eines jeden Menschen, die ihn für immer prägen. Prägen und verändern. Manche mögen dich auf den ersten Blick nicht direkt betreffen. Andere erschüttern dein Leben bis auf die Grundfesten. 


Der 11.September 2001 - heute vor 13 Jahren. Damals war ich Mitte 20, hatte beruflich endlich meinen Weg gefunden und privat war das Leben unbeschwert und frei. 4 Wochen zuvor war ich aus den USA zurückgekommen, hatte eine wunderbare Zeit. Was wäre gewesen, wenn dieses Ereignis nur 4 oder 5 Wochen zuvor passiert wäre??? Ich habe niemanden, den ich persönlich kannte an diesem Tag verloren - aber ich hatte Sorge um meine Freunde dort. Damals ist mir sehr bewusst geworden, wie kurz das Leben sein kann und das man dass, was man zu sagen hat, sagen sollte, bevor man es nicht mehr sagen kann. Damals habe ich dem jungen Mann, den ich ganz toll fand und für den ich mehr empfand als nur Freundschaft gesagt, wie ich empfinde - auch wenn definitiv klar war, dass es keine Chance auf eine Beziehung gibt. Ich wollte einfach, dass dieses Gefühl nicht ungesagt, unbekannt bleibt, dass er weiß, dass es jemanden gibt, dem er auf diese Weise etwas bedeutet. Ich habe es nie bereut, diesen Mut aufgebracht zu haben und zu meinen Gefühlen zu stehen. 

Das Leben ist sooo kurz - traut euch, zu tun, was euch am Herzen liegt!




März bis Juli 2006. Mit Abstand eine der schwersten Zeiten in meinem Leben. Nur 4 Monate, die mich verändert haben. Mein Leben lässt sich teilen in die Zeit VORHER und NACHHER. Und es gibt kein Zurück an den Punkt zu VORHER. 

In diesen 4 Monaten haben wir praktisch in dauerhafter Verdrängung gelebt - Verdrängung vor dem Unausweichlichen: dem Tod, dem Verlust eines geliebten Menschen. Und obwohl eigentlich allen - nicht persönlich Betroffenen, sozusagen den "Profis" - klar war, dass es nur diesen einen Weg aus der Situation gibt, hat uns niemand darauf vorbereitet. Im Gegenteil, uns wurde Mut zugesprochen, Hoffnung gemacht und ab einem gewissen Zeitpunkt eben nicht mehr auf Heilung, aber uns wurde Zeit versprochen. An jeden noch so wahnwitzigen Strohhalm, der uns gereicht wurde, klammerten wir uns - die Augen verschlossen vor der unausweichlichen Realität. Zuzusehen und nichts tun zu können, absolute Hilflosigkeit. Hart. Brutal. Daher waren wir völlig unvorbereitet, die Realität schlug mit voller Wucht über uns zusammen wie ein Tsunami. 

Im Rückblick wäre es vielleicht besser gewesen, hätte man uns - behutsam - darauf vorbereitet. Ich schätze Ehrlichkeit und ich schätze Wahrheit - auch wenn sie manchmal weh tut. Verdrängung ist nicht mein Ding. Tut mir einfach nicht gut.

Diese Realität tat sehr weh. Es hat lange, sehr lange gedauert und sehr viel Kraft gekostet, diesen Verlust zu verarbeiten. Heute noch gibt es Tage, an denen es sehr schwer ist. Trotzdem hat es mich stärker werden lassen - es hat mir geholfen, den Verlust meines Flohs zu verkraften. Ich bin nicht mehr die, die ich vorher war. Aber ich bin, wie ich bin. Geprägt durch diese Ereignisse. 

Auch der Kinderwunsch hat mich bis hierher geprägt und verändert. Meine Entscheidungen und deren Konsequenzen. Die Menschen, die mir begegnet sind. Das Wissen, dass ich gewonnen habe. Den Austausch und die damit verbundenen Ansichten.

Dass mein letzter Post so viele unterschiedliche Reaktionen ausgelöst hat, finde ich gut. Ein Gedankenaustausch, der mich dazu angeregt hat, den heutigen Post zu verfassen, der sehr viel von mir preisgibt. Ich lasse euch ganz tief in mein Innerstes blicken und wünsche mir, dass dies dazu beiträgt, zu verstehen, wie ich "ticke". 

Das Schönste wäre, wenn ihr mich nicht da abholt, wo ihr mich haben wollt, sondern dort, wo ich gerade bin. Wie ich bin. 

Ich lass es auf den Versuch ankommen.






Donnerstag, 4. September 2014

Tja, wie isses?

Hurra, ich lebe noch!

Je weiter ich mich aus dem Kinderwunschbehandlungszirkus wegbewege, desto ferner scheint mir dieser ganze Wahnsinn aus Folli-TV, Gebärmutterschleimhautbeschaffenheit, Blutabnahmen, Spritzerei und Warteschleifen. Wenn ich daran denke, ist es wie die nervige Wiederholung einer Seifenoper. Als wäre das alles gar nicht mir passiert, sondern eben den wilden Phantasien der Drehbuchautoren entsprungen. Man gerät wohl unbeabsichtigt in den vorgefertigten Strudel der Kinderwunschtherapie, wo ganz logisch eine Stufe auf die nächste folgt. GVnP und kein Erfolg? Bitte hier entlang zur IUI. Wieder kein Erfolg? Bitte hier entlang zur IVF? Reicht auch das nicht? Hier gehts zur ICSI. Weitere Diagnostik? Hier bitte entlang, zu Gerinnungspezialisten, TCM, Immunologie oder Humangenetik. Ein Negativ? Nächste Stufe erklimmen. Es bliebt wenig Zeit für Pausen, weil einem das Alter, die Mittel, der eigene Wunsch immer im Nacken sitzen und einen unerbittlich antreiben: "Du kommst nur voran, wenn du weiter machst. Weiter, immer weiter!" Wie ein Derwisch, immer im Kreis drehen, immer drehen, nicht stehen bleiben. 

Je länger ich pausiere, desto mehr spüre ich, dass ich wieder zurück finde zum Leben. Ich habe mich wirklich sehr vereinnahmen lassen in den letzten 12 Monaten. 12 Monate meines Lebens und die Momente, an die ich mich erinnere, sind PUs, Spritzerei, Arztbesuche und Niederlagen. 

Die Genehmigung der Krankenkasse für ICSI Nr. 3 lag einige Zeit auf dem Schreibtisch rum und dass ich ihn letztlich abgeschickt habe, liegt nur daran, dass wir den Überweisungsschein vom Herzensmann noch nachreichen mussten. Ich setze mich damit auseinander, dass es für uns vielleicht bei den zwei Linien im letzten Jahr bleibt. Das der Herzenswunsch nicht erfüllt wird.

Doch diese Gedanken will niemand hören, dafür gibt es kein Verständnis, keine Akzeptanz, keine Hilfestellung. Dann kriegt man nur zu hören: "Aber bei Schantalle hat es auch erst im 12. Versuch geklappt, du musst hoffen und durchhalten." Ja, schönen Dank auch. Es wird für uns keine 12 Versuche geben, diese Gewissheit wird immer stärker. Wir werden vielleicht übrig bleiben, mein Bauch bleibt leer. 

Laufe ich davon? Ist das schon Akzeptanz oder noch Verdrängung? Es wimmelt im Leben meiner Freunde von Kindern, Babies, von Schwangerschaftsmeldungen und mir wird immer bewusster, dass dies ein Bereich sein könnte, aus dem ich ausgeschlossen werde: "Sorry, du kommst hier net rein!" Kein Zutritt für Kinderlose. Der Türsteher kontrolliert knallhart vor diesem Club. 

Tja, so isses.



Mittwoch, 20. August 2014

Auf der Suche ...


Die Lebensregeln des 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso


Wenn Du verlierst, verliere nicht den Lerneffekt.

Befolge grundsätzlich die folgenden drei Regeln:
denke (weil große Liebe und große Ziele große Risiken in sich bergen) an
- Respekt für Dich selbst
- Respekt für andere und
- Respekt (Verantwortung) für alle Deine Handlungen.

Denke daran, dass etwas, was Du nicht bekommst, manchmal eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann.

Lerne die Regeln, damit Du weißt, wie Du sie brichst.

Wenn Du merkst, dass Du einen Fehler gemacht hast, unternimm unverzüglich etwas, um ihn zu korrigieren.

Verbringe jeden Tag einige Zeit mit Dir selbst.

Begegne Veränderungen mit offenen Armen, aber verliere dabei nicht Deine Wertmaßstäbe.

Denk daran, dass Schweigen manchmal die beste Antwort ist.

Lebe ein gutes ehrbares Leben - wenn Du älter wirst und zurückdenkst, wirst Du es ein zweites Mal genießen können.

Eine freundliche Atmosphäre in Deinem Haus ist die beste Grundlage für Dein Leben.

Wenn Du mit lieben Freunden streitest, bezieh Dich nur auf die aktuelle Situation - lass die Vergangenheit ruhen.

Teile Dein Wissen, so erlangst Du Unsterblichkeit.

Sei freundlich zur Erde.

Besuche einmal im Jahr einen Ort, den Du noch nicht kennst.

Denk daran, die beste Beziehung ist die, in der die Liebe für den anderen größer ist, als das Verlangen nach dem anderen.

Bewerte Deine Erfolge daran, was Du aufgeben musstest, um sie zu erzielen.

Widme Dich der Liebe und dem Kochen mit wagemutiger Sorglosigkeit.

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Diesen Text habe ich zufällig gefunden und es steckt viel Wahrheit darin, wie ich finde - gerade wenn man auf der Suche ist, seinen Weg und seine Perspektive neu definiert. 

Am besten von allem gefällt mir aber der letzte Rat ...   nehmt das Leben und genießt es!


Sonntag, 17. August 2014

Gedankenschnipsel

Tja, das war sie nun also. Die erste Mens nach dem letzten Negativ. 35 Tage Zyklus. Es kommt mir schon so ewig weit weg vor, dass ich gespritzt und geheult und gehofft habe. So weit entfernt irgendwie. 

Ich bin wieder in der Realität gelandet. Ohne Kinder. Ohne Hormone. Ohne Medikamente. Ich hatte alles so satt, ich habe nichts mehr genommen. Nicht mal die Gerinnungstabletten. Es war mir alles zu viel. 

Stattdessen habe ich mal meinen "Marktwert" getestet - eine Bewerbung, direkt ein Vorstellungsgespräch gehabt. Dass es nicht geklappt hat, ist nicht tragisch - das, was nicht gepasst hat, war das Finanzielle und damit kann ich gut leben. Aber es hat mir Bestätigung gegeben, ein gutes Gefühl. Wenn mir mal wieder ne interessante Stellenausschreibung über den Weg läuft: neues Glück, neue Chance! 

Vor Jahren habe ich mal ein Buch gelesen, dessen Titel war "Leben wär' ne prima Alternative" oder so. Das ist das, was ich jetzt aktuell mache. Leben. Wir haben viele Pläne für die nächsten Wochenenden, keiner hat irgendetwas mit Kindern, Babies oder Kinderwunsch zu tun. Zum 5. Hochzeitstag werden wir ordentlich auf die Pauke hauen und uns ein richtig feudales Essen im Sternerestaurant gönnen. Im Oktober haben wir Konzertkarten und die Planungen für die Silvesterparty sind in vollem Gange. Ich werde mich endlich wieder meinen Selbermach-Projekten widmen, all das, was ich in den letzten Monaten immer nur mit angezogener Handbremse getan habe. 

Endlich habe ich das Gefühl, dass ich wieder atmen kann. Unser Leben ist doch schön, so wie es im Moment ist. Wir haben so viele Pläne, Träume, Wünsche die eben nicht (oder nur sehr schwer) mit Kindern umzusetzen wären. 

Wenn ich also daran zweifeln würde, dass mein Leben ohne Kind nichts wert wäre - dann stelle ich damit doch mich und meine gesamte Existenz in Frage? Ich existiere, ich lebe doch nicht nur aus dem einen Grund? Habe ich nur mit Kind einen Wert? Wenn ich das mit JA beantworten würde, das wäre mir zu wenig. Ich bin mehr als die Summe meiner Fehlversuche. 

Ja, Leben ist ne prima Alternative!